Tsatsas sind traditionelle Halbreliefs aus Gips, die Buddha-Formen, Stupas und andere Glückssymbole darstellen. Sie repräsentieren die erleuchteten Qualitäten unseres Geistes und werden als Mittel auf dem Weg zur Erleuchtung verwendet. Durch das Herstellen und Betrachten der Buddha-Aspekte in der Form von Tsatsas entsteht eine positive Rückkopplung auf unseren Geist. Die Herstellung wird als eigene Meditationspraxis gesehen.

Der Name Tsatsa hat seinen Ursprung im Sanskrit. Die Wurzeln zeigen also nach Indien als mögliches Ursprungsland der Tsatsas. Sie repräsentieren eine noch lebendige, ganz alte Praxis, wie sie in indischen buddhistischen Klöstern praktiziert wurde, die mehrere tausend Jahre zurückliegt. Man hat bereits in buddhistischen Klosterruinen aus dem 8. Jahrhundert in Ost-Indien Tsatsas gefunden. Die ersten Publikationen über Tsatsas in Tibet machte der italienische Tibetologe Giuseppe Tucci 1938.

Traditionelle Herstellung

Das Material für die Buddha-Figuren wurde im ersten Schritt aus reinem Lehm, feinem Staub und einer geringen Menge feiner pflanzlicher Fasern hergestellt. Dann wurde Wasser zu der Paste hinzugefügt und so lange verrührt, bis ein harter Lehm entstand. Der Lehm wurde dann in eine Form aus Holz, Stein oder Metall gepresst und getrocknet. Nach der Hälfte der Trockenzeit wurden die Reliefs mit einem scharfen Werkzeug nachbearbeitet. Einige wurden im Feuer gebrannt oder dann farbig bemalt. Häufig wurde in Tibet auch ein Metallstempel mit Yakhorngriff zur Herstellung verwendet, den Pilger in einem Lederbeutel am Körper trugen. Da Tsatsas leicht herzustellen sind, wurden sie von Tibetern in großer Zahl produziert. Es gehörte zur Praxis eines Pilgers und so säumen sie auch heute noch die bekannten Pilgerwege. Man findet sie als Opferungen an Stupas, in Nischen von Gebetsmühlen, heiligen Höhlen, Seen oder an heiligen Bergen. In Klöstern sieht man sie auf den Altären oder an einer speziell gestalteten Tsatsa-Wand, wo sie dann gebrannt und bemalt sind. Die Tibeter stellen sie auf den Hausaltar oder tragen kleinste Tsatsas im Gau (Reliquienbehälter) am Körper, da sie vor Dämonen und Geistern schützen sollen.

Arten von Tsatsas je nach Anlass

  • Füllung mit Medizin oder sogenannten „Juwelenpillen“
  • Füllung mit Mantra-Rollen oder Texten
  • Bemalung der Rückseite mit einem Mantra
  • Bemalung mit den Farben der Elemente oder Schmückung mit verschiedenfarbigen Bändern (bei Stupa-Füllungen)
  • Füllung mit Reliquien oder gesegneten Reiskörnern
  • Herstellung aus der Asche eines verstorbenen Lamas, gesegnetem Wasser oder unter Zugabe von Flüssigkeit, in der hohe Lamas mumifiziert wurden
  • Finger oder Handabdruck des Lamas auf der Rückseite
  • Vom Lama selbst hergestellt
  • Bei speziellen Zeremonien oder Einweihungen gesegnet

Geistige Resultate und Motivation

Bei Tsatsas handelt es sich nicht um Dekorationsobjekte. Da sie Abbilder von Buddha-Aspekten sind, verbinden sie uns mit den Qualitäten des Buddha. Sie sind ein Symbol für erleuchteten Körper, Rede und Geist und sollen daher achtsam behandelt werden. Allein das Sehen einer Buddha-Statue oder eines Tsatsas bringt uns in Verbindung mit unserer eigenen Erleuchtungsnatur. Es heißt, allein ein Abbild von Buddha zu sehen, befreit langfristig von allem Leiden. Selbst wenn jemand mit negativen Gedanken darauf schaut, so bilden sich trotzdem positive Eindrücke in seinem Geist. Das kann schon in diesem Leben dazu führen, dass man weniger krank wird, länger lebt, Freude und Ansehen nehmen zu und Hindernisse werden bereinigt. Der Nutzen der Herstellung von Tsatsas und Statuen wurde von Buddha Shakyamuni in einem Sutra an den König Sengyal gelehrt. Die Essenz ist, dass das Glück der Lebewesen davon abhängt, dass befreiende Lehren eine lange Zeit andauern und verbreitet werden. Der Text „Wie man die Tsatsa-Praxis auf dem Weg zur Erleuchtung verwendet“ wurde von dem Übersetzer Tropu aus dem Sanskrit ins Tibetische übersetzt.

Legenden

Der große indische Meister Atisha Dipamkara pflegte jeden Tag Tsatsas anzufertigen, bis seine Hände völlig lehmverkrustet waren. Seine Schüler sagten: „Die Leute reden schon darüber, dass ein so großer Lehrer wie du sich mit Schlamm abgibt. Darüber hinaus ermüdet ihr euch zu sehr. Warum lasst ihr uns das nicht tun?“
Er antwortete: „Was redet ihr da? Wollt ihr bald auch meine Nahrung für mich essen? Bis ihr vollkommene Buddhaschaft erreicht habt, müsst ihr immer negatives Karma und Neigungen beseitigen und mehr und mehr spirituelle Qualitäten erwerben. Gleitet deshalb nicht in ein träges und sporadisches Praktizieren ab. Praktiziert mit Eifer und aus tiefem Herzen, ohne jemals zu glauben, ihr hättet genug getan.“

Heutige Herstellung im Diamantweg-Buddhismus im Westen

Tsatsa-Werkstätten findet man in der Diamantweg-Organisation anlässlich von Stupa-Füllungen oder Statuen-Ausstellungen. Lamas, die die Werkstätten in Form von Retreats begleiten – wie zum Beispiel beim Bau des Stupa in Griechenland oder Linz – betonen, dass es sich dabei um eine Meditationspraxis handelt. Die guten Eindrücke in unserem Geist, die durch das Gießen der Tsatsas entstehen, werden durch die Mantras verstärkt, die man bei der Herstellung sagt oder denkt.

Die Reliefformen aus Silikon werden mit Gießgefäßen ganz langsam mit hochwertigem Stewalin (Porzellan-Gips) ausgegossen, danach getrocknet und dann weiter korrigiert. Für einfache Stupa-Tsatsas, die wie kleine Stupas aussehen und bei jeder Stupa- Füllung in der Basis benötigt werden, kann auch die Art von Gips benutzt werden, der sonst für Zahnabdrücke verwendet wird. Die kleinen Stupas werden dann noch in den Farben der Elemente bemalt, haben wenig Konturen und sind daher einfacher zu gießen. Bei allen anderen Buddha-Abbildungen und Reliefs sollte nur hochwertiges Stewalin verwendet werden, da es sonst zu viele Luftblasen gibt, die nur unter großem Aufwand korrigiert werden können. Die feinen Gesichter der Buddhas sollen perfekt sein. Besonders bei Stupa-Füllungen soll daher darauf geachtet werden, dass die höchstmögliche Qualität eines Tsatsas erreicht wird. Baustoffe wie Zement sind beim Gießen unbedingt zu vermeiden.

Nach den klassischen Texten könnte die Anfertigung von 100 000 Stück eine Meditationspraxis in sich sein. Es sollten aber immer mindestens fünf Tsatsas hergestellt werden. Bei dieser Art von Meditationspraxis sollte dann – wie auch beim Mantra Rollen und Statuen Füllen – auf Fleisch, Alkohol, Knoblauch, Zwiebeln oder Lauch während des Gießens verzichtet werden. In den Retreats zur Herstellung von Tsatsas für Stupa-Füllungen gilt das Gleiche und es wurde wiederholt darauf hingewiesen.

Die Lamas, die die Füllung eines Stupa vorbereiten, sagen in der Regel nie, dass ein Tsatsa zu schlecht sei. Sie versuchen meist, das bestmögliche Ergebnis zu erreichen, indem das Tsatsa dann noch vergoldet oder farbig angemalt wird, eine Mantra-Rolle hineinkommt, den Buddhas die Augen „geöffnet“ (bemalt) werden etc. Bei der Vorbereitung einer Stupa-Füllung sollte übrigens genau errechnet werden, wie viele Tsatsas nötig sind. Es gilt als nicht glücksverheißend, zu viele Tsatsas herzustellen.

Statuen-Ausstellungen

Seit der Statuen-Ausstellung 2004 in München hat sich gezeigt, dass eine Tsatsa-Werkstatt an einzelnen Tagen sehr gut ankommt. Kinder wie Erwachsene haben große Freude daran, eigene Reliefs zu gießen und staunen über das Ergebnis. So bekommen auch die Besucher positive Eindrücke in ihrem Geist. Auch hier sollte auf hohe Qualität geachtet werden, da keine Zeit für Korrekturen bleibt. Einfache Silikonformen kombiniert mit hochwertigen Stewalin sind empfehlenswert.

Wo sollten Tsatsas aufbewahrt werden

Da es sich um Abbilder von Buddha-Aspekten handelt, sollten sie wie heilige Objekte mit Respekt und Achtsamkeit behandelt werden. Ein guter Platz ist der Altar, wo auch andere sie sehen können und allein durch das Sehen einen Nutzen davon haben. Wenn man sie an Angehörige verschenkt, sollte sicher gestellt sein, dass diese die Tsatsas zum Beispiel nicht auf den Boden stellen, sondern an einem schönen Ort platzieren.

Defekte Tsatsas

In den traditionellen Werkstätten wurden schlechte Tsatsas , die sich nicht mehr korrigieren ließen, immer in die hinteren Reihen gestellt, damit niemand sie sieht. Da sie aus Lehm bestanden, wurden sie später in der Natur den Nagas (Wesen, teilweise körperlos, im Wasser und unter der Erde) dargebracht. In der heutigen Zeit der Gipsherstellung gibt es zum Beispiel in einem Kloster in Frankreich, welches auf Tsatsas spezialisiert ist, ein eigenes Häuschen dafür, welches zugemauert wird. Die Begründung lautet, dass es sich immer noch um Abbildungen Buddhas handelt. Wenn also bei einer Werkstatt eine Kiste mit kaputten oder nicht mehr zu korrigierenden Tsatsas übrigbleibt, könnte jemand aus der Sangha, der vielleicht gerade ein Haus baut, die Tsatsas mit in den Wänden einmauern.

Autor: Heide Hauser
Zuflucht 1993 bei Lopön Tsechu Rinpoche,
Sangha Schwarzenberg,
Mitglied der artgroup des Diamantweg-Buddhismus,
E-Mail: info@tai-chi-kempten.de
www.diamondway-artgroup.org